Brigitte Aßfalg

Wann sind Sie in den DPB eingetreten?

Das war im Mai 1995. Ich bekam den Tipp vom Hausarzt meiner Schwiegermutter. Bevor ich eingetreten bin, habe ich die Regionalgruppe Ulm besucht. Da wurde ich sehr gut aufgenommen.

Wie geht es Ihnen heute gesundheitlich?

Eigentlich geht es mir relativ gut. Ich bin schmerzfrei in den Gelenken und war bis vor kurzem auch ohne Stellen an der Haut. Aber da kommt gerade etwas Neues am Rücken. Das kann damit zu tun haben, dass ich zusammen mit meinem Rheumatologen die Dosis an MTX gesenkt habe. Ich muss das mit ihm besprechen.

Wie war Ihr Weg mit Ihrer Erkrankung?

Begonnen hat meine Schuppenflechte 1982. Zuerst bekam ich Stellen am Haaransatz, hinter den Ohren, unter der Brust und dann am Rücken. Der Hautarzt hat mir Kortikoidsalben verschrieben. Das ging einige Jahre gut, wurde dann aber immer schlimmer. Deshalb bekam ich 1994 meine erste Reha. Ich fuhr nach Bad Salzschlirf. Dort wurde ich mit Bestrahlungen und Foto-Sole-Therapie behandelt. Damit bekam ich meine Schuppenflechte sehr gut weg. Ich hatte ungefähr zwei Jahre Ruhe. Doch dann kam sie zurück. Dieses
Mal war es besonders schlimm am Rücken. Dort bildete sich ein dicker Panzer. Wenn ich mich gebückt habe,
ist der Hautpanzer an vielen Stellen aufgeplatzt. Das war sehr schmerzhaft. Nachts im Bett mochte ich mich nicht mehr drehen, weil es so sehr weh tat. Deshalb wies mich mein Hausarzt in eine Akutklinik ein. Ich kam nach Schloss Friedensburg in Leutenberg in Thüringen. Das ist ein Fachkrankenhaus für Dermatologie. Sie verfolgen dort einen ganzheitlichen Ansatz mit viel Ruhe, Autogenem Training und Ernährungsumstellung. Wir haben viele Schulungen und Vorträge gehabt. Zuerst hatte ich gedacht, dass das nicht funktionieren kann. Aber es hat wunderbar geklappt. Ich bin meine Schuppenflechte losgeworden. Ich habe viele Therapien kennen gelernt, mit denen ich auch Zuhause weitermachen konnte. Beispielsweise habe ich gelernt, auf meine Ernährung zu achten. Ich merke jetzt schnell, wenn mir etwas nicht bekommt. Auch die innere Einstellung zur Schuppenflechte hat sich verändert. Sie ist jetzt positiv, und das ist sehr wichtig. Nach dem Aufenthalt in Friedensburg hatte ich ziemlich lange Ruhe. Nach ungefähr drei Jahren ging es langsam wieder los – am Rücken, unter der Brust und an der Kopfhaut. Das wurde wieder so schlimm, dass ich 2008 erneut zur Reha fuhr. Dieses Mal ging es nach Bad Rappenau. Dort bekam ich Sole-Fototherapie. Zusätzlich wurde ich auch mit Cignolin behandelt. Nach der Reha war die Schuppenflechte wieder für einige Jahre weg. Als sie dann zurückkehrte, bekam ich bei meinem Hautarzt 33 Mal eine ambulante Balneotherapie. Das war 2011. Die Schuppenflechte blieb verschwunden. Aber nach drei Jahren kam der Schock. Ich war immer noch erscheinungsfrei an der Haut, aber meine Gelenke bereiteten Probleme. Das äußerte sich zuerst mit Schwindel und mit Erbrechen. Da ist niemand darauf gekommen, dass das eine Psoriasis-Arthritis wird. Die Schmerzen waren sehr stark. Ich konnte fast nicht mehr laufen. Ich nahm sechs Mal täglich starke Schmerzmittel. Aber es war trotzdem unerträglich. Ich wurde in Bad Buchau in die Federseeklinik eingewiesen. Das ist eine Akutklinik für Rheumatologie. Dort
bekam ich MTX. Das schlug gleich gut an. Zusätzlich machte ich Gymnastik. Auch die Schulungen in der Klinik waren sehr hilfreich für den Umgang mit der Krankheit. Die Diagnose Psoriasis-Arthritis zu bekommen, war ein Schlag für mich. Immerhin war ich seit fast drei Jahren erscheinungsfrei. Aber ich lernte, auch mit dieser Diagnose umzugehen. Ich nehme immer noch MTX. Ich habe glücklicherweise bis jetzt keine Nebenwirkungen. Meine Haut blieb Dank des Medikaments auch erscheinungsfrei. Aber vor einem Viertel Jahr hat mein Rheumatologe damit begonnen, die Dosis zu senken. Jetzt beginnt wieder eine Schuppenflechte auf dem Rücken. Ich habe bald einen Termin und werde das besprechen. Regelmäßig weiter mache ich die Gymnastik. Und was mir über die vielen Jahre mit meiner Schuppenflechte auch immer geholfen hat, das ist die Selbsthilfegruppe des DPB. Der Austausch mit anderen ist mir sehr wichtig. Ich bin auch DPBKontaktperson. Das mache ich schon seit 14 Jahren. In letzter Zeit haben viele Ratsuchende angerufen. Sie sind oft sehr aufgeregt, weil sie die Diagnose Psoriasis oder Psoriasis-Arthritis bekommen haben. Wenn ich ihnen erzähle, was für Therapiemöglichkeiten sie haben, geht es ihnen meist besser.
Die wundern sich aber immer, wie positiv ich gegenüber meiner Krankheit eingestellt bin. Das ist ganz wichtig. Seine Schuppenflechte muss man annehmen, sonst wird es ganz schwierig. Auch wenn das Umfeld stimmt, kann das vieles erleichtern. Meine Familie steht immer hinter mir, auch in Zeiten, in denen es mir nicht so gut geht. Darüber bin ich sehr froh. Ich weiß ja nicht, was mir mit meiner Schuppenflechte noch alles passiert.

Interview entnommen aus PSO Magazin 5/2017