Helga Röhrig

Wann sind Sie in den DPB eingetreten?

Das war 1999.

Wie geht es Ihnen heute gesundheitlich?

Mit der Schuppenflechte geht es einigermaßen gut. Am Kopf habe ich immer mal wieder Stellen und die Haare gehen davon verstärkt aus. Auch die Finger- und Zehennägel sind erkrankt. An einigen anderen Stellen wie Nabel und Gehörgänge kommen die Stellen von Zeit zu Zeit wieder. Und am Gesäß geht es nicht weg. Aber das ist nicht mehr so schlimm wie früher, als Arme und Beine erkrankt waren. Mit den Gelenken habe ich inzwischen mehr Probleme. Deswegenhabe ich gerade eine Rehabilitation beantragt. Zu der Psoriasis-Arthritis ist jetzt noch neu eine Arthrose der Sprunggelenke hinzugekommen, die laut Arzt von der Psoriasis-Arthritis verursacht worden sei.

Wie war Ihr Weg mit Ihrer Erkrankung?

Ich war 10 Jahre alt, als es angefangen hat. Es begann auf dem Kopf, und keiner hat gewusst, was es ist. Ich musste meinen Kopf immer mit fettigen Salben einschmieren. So waren meine Haare immer verklebt. Das sind schreckliche Kindheitserinnerungen. Die Lehrer haben mich aus der Schule nach Hause geschickt und gesagt, ich solle mir die Haare waschen. Das war ein Stigma. Irgendwann habe ich mich geweigert, die Salben zu nehmen. Die Schuppenflechte nahm dann zu. Ich bekam sie am ganzen Körper. Im Teenageralter habe ich an der Hautklinik der Uni Würzburg "Arsenic" bekommen. Damit ging es gut weg. Die Behandlung wurde aber bald wieder abgebrochen. Wegen der Arsen-Gabe darf ich nie mit PUVA behandelt werden. Es besteht sonst wahrscheinlich das erhöhte Risiko, einen Hauttumor zu entwickeln. Mit 18 Jahren war ich ein Jahr lang als Au-pair in England. Dort ging ich auch wegen der Psoriasis zum Arzt. Der hat mir eine Salbe gegeben, mit der die Schuppenflechte wegging. Ich war sehr glücklich. Ich wusste damals nicht, was es war. Ich vermute aber, es war Kortison. Dann ging ich für längere Zeit in die Schweiz. Da habe ich die Salbe nicht bekommen und die Plaques breiteten sich wieder überall am Körper aus. Später bekam ich vom Hautarzt in Würzburg starke Kortisonsalben, bis die Haut so dünn war, dass sie leicht platzen könnte. Besonders schlimm war für mich, dass die Fingernägel dazukamen. Da war ich Ende 20. Die Nägel waren rubbelig, nie glatt. Der Hautarzt sagte, ich hätte mir das Nagelbett verletzt, daher kämen die Rillen und Dellen. Da könne man nichts machen. Jahrzehnte lang war das sehr schlimm für mich. Vor einigen Jahren habe ich angefangen, die Kortisontropfen für die Kopfhaut auf die Fingernägel im Nagelbett zu träufeln. Zusätzlich habe ich die Nägel mit Öl einmassiert. Das war vor rund 20 Jahren. Nach zwei Jahren waren alle Nagelveränderungen weg. Als ich allerdings mit dieser Behandlung aufgehört hatte, wurden die Nägel wieder rubbelig. Dann habe ich diese Behandlung noch einmal gemacht. Seitdem massiere ich täglich Öl in die Umgebung der Nägel ein. Jetzt sind die Fingernägel wieder glatt. Lange Zeit habe ich nicht gewusst, dass ich auch die Psoriasis-Arthritis habe. Mir haben die Hände sehr weh getan. Als ich Ende der 1990er Jahre zur Rehabilitation in Bad Mergentheim war, hat mich dort ein Rheumatologe untersucht. Er hat die Psoriasis-Arthritis diagnostiziert und mir MTX-Tabletten gegeben. Es hat mir für die Gelenke geholfen, nicht aber für die Haut. Nach einiger Zeit konnte ich die Tabletten vom Magen her nicht mehr vertragen. Seitdem spritze ich das MTX wöchentlich. Und das Tolle ist, dass seitdem das Medikament auch auf meine Haut wirkt. Ganz weg ist die Schuppenflechte dadurch nicht. Aber es sind viel weniger Stellen, die auch nicht so eine dicke Schuppenschicht haben. Diese behandele ich mit einer Vitamin D3 Salbe, einem Vitamin-D3 Derivat, und ab und zu mit Kortison. Das geht ganz gut. Teer vertrage ich überhaupt nicht mehr. Ich hatte in einer Nacht, als ich mit Teer behandelt worden war, einen Schock bekommen. Im Laufe der vielen Jahre habe ich viel ausprobiert. Ich habe Schweinefleisch weggelassen. Das hat nichts geholfen. Ich habe Alkohol weggelassen. Es hat nichts geholfen. Ich habe es mit mediterraner Kost probiert. Das schmeckt zwar gut, aber es hat auch nicht geholfen. Natürlich habe ich auch alle möglichen Salben ausprobiert, aber auch das war nicht erfolgreich. Heute pflege ich meine Haut ganzheitlich täglich mit Feuchtigkeitsemulsion. MTX hilft mir jetzt seit Jahren recht gut. Die Gelenke machen mir zwar Probleme. Aber meine Einstellung dazu ist, dass ich selber viel machen muss. Früh mache ich erst mal 15 bis 20 Minuten Gymnastik. Wie es halt gerade geht. Einmal in der Woche gehe ich zur Rheuma-Gymnastikstunde. Und ich rudere leidenschaftlich gern, auch heute noch. Ich bin mein ganzes Leben lang sportlich gewesen. Ich lasse mich von meinen Beschwerden möglichst nicht behindern. Dazu engagiere ich mich auch noch ehrenamtlich. Wenn ich nichts mache, versauere ich bloß. Natürlich gibt es auch Momente, in denen ich denke: So ein Mist. Aber ich kann es nicht ändern. Ich muss einfach das Beste aus der Situation machen. Und so sage ich mir, ich muss selbst engagiert sein. Ich muss mich selbst kümmern und mich informieren. Nur zum Arzt gehen, reicht nicht.

Interview entnommen aus PSO Magazin 6/2016