Coronavirus: Aktuelle Informationen und Empfehlungen der Psoriasis-Experten

Weil sich die Lage durch das Fortschreiten des Coronavirus verschärft hat, hat eine Arbeitsgruppe aus den Beiräten des Deutschen Psoriasis Bundes e.V. (DPB), des Psoriasis-Ärzte-Netzwerkes "PsoNet" und des Deutschen Psoriasis-Registers "PsoBest" aktuelle Informationen und Empfehlungen formuliert:

  • Allgemeine Empfehlungen für Patienten mit Psoriasis und ihre Angehörigen während der pandemischen Phase von SARS-CoV-2 (Coronavirus) [Information für Patientinnen und Patienten]
     
  • Verfahrensweise bei der Systemtherapie von Patienten mit Psoriasis während der pandemischen Phase von SARS-CoV-2 (Coronavirus) [Information für Ärztinnen und Ärzte]

Der DPB bittet alle Patientinnen und Patienten mit Psoriasis und ihre Angehörigen, die nachstehenden Informationen und Empfehlungen ernst zu nehmen und sie zu befolgen. Sie schützen damit nicht nur sich selbst, sondern auch die Menschen in Ihrem Umfeld. Seien Sie in diesen Tagen vernünftig und zeigen Sie Solidarität.

Herzlichen Dank!

DPB-Vorstand und DPB-Geschäftsstellenteam

 

Allgemeine Empfehlungen für Patienten mit Psoriasis und ihre Angehörigen während der pandemischen Phase von SARS-CoV-2 (Coronavirus)

[Information für Patientinnen und Patienten]

Nachdem das Coronavirus von der Weltgesundheitsorganisation WHO bereits als Pandemie eingestuft wurde, hat der Virologe Prof. Dr. Alexander Kekulé (zitiert am 16.03.2020) das sogenannte "Personal Alert Level" (PAL) für Deutschland von Gelb auf Orange, also die dritthöchste Stufe, gesetzt. Auf dieser Stufe sind laut der Skala persönliche Schutzmaßnahmen gegen das Virus notwendig. Anders als die Maßnahmen der Weltgesundheitsbehörde oder von nationalen Regierungen richtet sich das PAL an jeden Einzelnen und gibt fünf konkrete Handlungsempfehlungen zum persönlichen Schutz.

1. Komme anderen Gesichtern nicht zu nahe

Um eine Tröpfcheninfektion zu vermeiden, wird zu einem Sicherheitsabstand von zwei Metern zu anderen Mitmenschen geraten. Denn: Das Coronavirus hat es auf die Schleimhäute von Augen, Mund und Nase abgesehen. Nur durch diese kann es in den Körper eindringen. Zusätzlichen Schutz bieten eine normale Brille oder ein über Nase und Mund gespanntes Stofftuch. Ein Stofftuch ist nach Waschen bei 60 Grad wieder einsatzbereit.

2. Wasche die Hände, bevor du dir ins Gesicht fasst oder etwas isst

Coronaviren können auf den verschiedensten Oberflächen mehrere Stunden überleben. Wer etwa im Bus einen Griff anfasst, auf dem sich frisches Sekret eines Kranken befindet, und danach die Augen reibt oder sein Essen mit den Händen berührt, kann sich per "Schmierinfektion" selbst infizieren. Reflexartige Griffe ins Gesicht sollten deswegen unbedingt vermieden werden. Regelmäßiges Händewaschen empfiehlt der Virologe ebenfalls.

3. Umarme nur Menschen, mit denen du Viren austauschen willst

Wen man in diesen Tagen umarmt oder gar küsst, sollte wohl bedacht sein, bietet man dem Virus doch so die beste Möglichkeit, von einem infizierten auf einen gesunden Menschen überzuspringen. Unter Partnern und mit den eigenen Kindern ist enger Kontakt dagegen erlaubt, weil sich in einem Haushalt lebende Familienmitglieder sowieso früher oder später gegenseitig anstecken. Von einem Besuch bei den Großeltern rät der Experte dringend ab.

4. Betrachte öffentliche Innenbereiche als kontaminiert

In öffentlichen Räumen wie Verkehrsmitteln, Gaststätten oder Geschäften und anderen allgemein zugänglichen Innenbereichen können Coronaviren auf jeder Oberfläche sitzen. Wer von dort nach Hause kommt, sollte deswegen Kleidung gleich in die Garderobe hängen und die Hände waschen. Auch Haare sollten vor dem Zubettgehen gewaschen werden, wenn sie vorher mit möglicherweise kontaminierten Flächen in Kontakt gekommen sind.

5. Vermeide Kontakt zu Anderen, wenn du Husten oder Fieber hast

In der Coronavirus-Pandemie sollte niemand zur Arbeit, Schule oder Kita gehen, öffentliche Verkehrsmittel benutzen oder Bereiche mit vielen Menschen aufsuchen, wenn er hustet oder Fieber hat. Patienten unter TNF-Blockern sollten bedenken, dass die Fieberreaktion ausbleiben kann, also vermehrt auf andere Symptome achten.

Zum Schluss noch ein weiterer wichtiger Rat: Gelassen bleiben! Denn wer sich trotz aller Schutzmaßnahmen infiziert, hat in der Regel eine über 99-prozentige Überlebenschance.

Info-Seiten: www.rki.de und www.infektionsschutz.de

 

Verfahrensweise bei der Systemtherapie von Patienten mit Psoriasis während der pandemischen Phase von SARS-CoV-2 (Coronavirus)

[Information für Ärztinnen und Ärzte]

  • Nach Sichtung der verfügbaren Literatur und aller Daten, die wir aus den Registern und der Pharmakovigilanz kennen, weisen Patienten mit heutigem Sachstand unter folgenden zugelassenen Medikamenten bei bestimmungsgemäßer Anwendung kein erkennbar erhöhtes Risiko für/bei Virus-Infektionen auf: IL-17-, IL-23- und IL-12/23-Blocker, Fumarsäureester, Apremilast, Methotrexat.
     
  • Bei den TNF-Blockern könnte ein geringfügig erhöhtes Risiko vorliegen, insbesondere für Infliximab. Bei Ciclosporin ist die Datenlage uneinheitlich. In vorausgehenden Virus-Endemien wiesen mit Ciclosporin exponierte Transplantat-Patienten keine signifikant erhöhten Risiken für Komplikationen auf, wobei diese vermutlich gesonderten Schutzmaßnahmen unterlagen. Besondere Vorsicht ist hier grundsätzlich bei älteren Patienten (>60) sowie Patienten mit Komorbidität (u.a. Diabetes, COPD) geboten, ebenso bei Patienten mit vorbekannter Infektneigung unter der laufenden Therapie.
     
  • Wir raten daher im Einklang mit den Entzündungszentren in Kiel, Lübeck und Hamburg grundsätzlich zur Beibehaltung der vorgenannten Medikamente bei allen Patienten mit Psoriasis, die eine entsprechende Indikation aufweisen. Neueinstellungen sind möglich und sollten wie immer nach detaillierter Erklärung, sorgfältiger Nutzen/Risiko-Abwägung und dokumentiertem Einverständnis erfolgen. Bei den TNF-Blockern und bei Ciclosporin sind individuelle Risikofaktoren für Infektionen besonders zu beachten und die klinischen Verläufe (cave: TNF-Blocker und fehlende Fieberreaktion) sorgfältig zu verfolgen.
     
  • Im Falle einer akuten Fieber- oder Atemwegssymptomatik und bei sonstigem klinischen Verdacht auf eine Covid-19-Infektion gilt für alle Patienten unter Systemtherapeutika, dass eine den aktuellen Empfehlungen des Robert Koch-Institutes folgende Diagnostik durchgeführt und die nächste Arzneimittelgabe um einige Tage bis wenige Wochen verschoben werden sollte.
     
  • Generell empfehlen wir die Pneumokokken-Impfung. Die Influenza-Saison klingt erfahrungsgemäß mit Fortschreiten des Frühlings ab, in individuellen Fällen wird die Impfung (Vierfach-Totimpfstoff) aber weiterhin empfohlen. Hier sind die notwendigen Therapiepausen nach Impfung zu beachten.
     
  • Alle Patienten mit Psoriasis unter Systemtherapien sollten über die notwendigen Vorbeugungsmaßnahmen in Hygiene und Verhalten aktiv aufgeklärt werden (vgl. vorstehende Patienteninformation). Bei auffälligen oder unklaren Symptomen sollten sie ihren behandelnden Arzt konsultieren, dies initial möglichst per E-Mail, Fax oder Telefon.

Für die Richtigkeit

Arbeitsgruppe aus den Beiräten von PsoBest, PsoNet und des Deutschen Psoriasis Bundes
Prof. Dr. Matthias Augustin
Dr. Ralph von Kiedrowski
Prof. Dr. Andreas Körber
Prof. Dr. Ulrich Mrowietz
Prof. Dr. Kristian Reich
Prof. Dr. Diamant Thaci

 

zurück zur Newsübersicht