Rüdiger Müller

"Ich bin Mitglied, weil der Psoriasisbund sehr interessante Beiträge und Informationen an seine Mitglieder weitergibt."

Wann sind Sie in den DPB eingetreten?

Das war vor genau 40 Jahren. Ich habe gerade eine Urkunde vom Deutschen Psoriasis Bund bekommen.

Wie geht es Ihnen heute gesundheitlich?

Im Großen und Ganzen geht es mir heute gut.

Wie war Ihr Weg mit Ihrer Erkrankung?

Mit 14 Jahren bekam ich Rötungen unter der Achselhöhle. Das ist ein untypischer Ort für eine Psoriasis und auch das Aussehen ist untypisch. Die Haut bildet dort nämlich keine starke Schuppung aus. Deshalb wurde ich zuerst auf einen Pilz behandelt. Es kamen aber weitere Stellen dazu. Nach etwa einem Jahr erhielt ich die Diagnose Psoriasis vulgaris und bekamKortisonsalbe zur Behandlung. Ich nahm sie. Was blieb mir anderes übrig. Doch die Psoriasis verbreitete sich weiter über den Körper. Ich hatte die Plaques hauptsächlich am Rumpf und an den Beinen. Das hat mich natürlich belastet. Ich hörte erstmal auf mit dem Fußball spielen, weil ich keine Lust hatte auf die immer gleichen Fragen nach den Stellen an meiner Haut. Für die nächsten Jahre blieb es bei der Behandlung mit der Kortisonsalbe. Ich hatte Phasen, in denen es der Haut schlechter ging – etwa bei Prüfungsstress in der Schule. Aber im Sommer machten wir immer Urlaub in Sonnenregionen. Von dort kam ich dann mit einem guten Hautbild zurück, das einige Zeit anhielt. Anschließend begann ich wieder zu cremen. So kam ich viele Jahre über die Runden. Als ich 20 Jahre alt war, wurde die Psoriasis einmal so schlimm, dass ich eine Woche lang stationär behandelt werden musste. Nach der Entlassung bekam ich aber wieder Kortisonsalbe zur Behandlung zuhause. Ich blieb bei meiner Strategie mit den Sonnenurlauben und der Kortisonbehandlung. In den 1980er Jahren bekam ich erste Symptome einer Psoriasis-Arthritis. Ein einzelner kleiner Zeh war rot und leicht geschwollen. Das war aber so unauffällig, dass es mich nicht beeinträchtigte. Trotzdem ging ich damit zum Rheumatologen. Er verordnete Vitamin E. Es wirkt entzündungshemmend und als sogenannter Radikalfänger. Bei bestimmten entzündlichen Erkrankungen werden in großer Menge Sauerstoffradikale produziert, die das vorhandene gesunde Gewebe angreifen und schädigen können. Sie zerstören die gelenknahen Zellen und den Gelenkknorpel. Die zerstörten Zellen wiederum verstärken die Entzündungsreaktion, so dass noch mehr Radikale freigesetzt werden. Diese Kettenreaktion wird durch Vitamin E unterbunden, indem es die „Freien Radikale“ abfängt. Die Entzündung im Zeh verschwand wieder. In den 1990er Jahren begann eine sehr stressige Zeit für mich. Ich machte mich als Physiotherapeut selbstständig und besuchte gleichzeitig eine Fortbildung, für die ich vier Mal wöchentlich weite Autofahrten in Kauf nehmen musste. Es waren lange Tage und ich verspürte großen Druck, denn ich wollte sowohl meine eigene Praxis aufbauen als auch die Prüfungen schaffen. Im Nachhinein wundert es mich nicht mehr, dass sich in dieser Zeit die Psoriasis-Arthritis wieder meldete. Zuerst reagierte ein Mittelfingerendgelenk mit einer Rötung und Entzündung. Später bekam ich Beschwerden im rechten Knie. Es wurde beim Fußballspielen dick. Ich musste mit dem Training aufhören.  Trotzdem blieb das Knie auch mit größerer Schonung dick. Ein Zusammenhang mit der Psoriasis wurde vom Orthopäden nicht herge stellt. Die hatte ich in dieser Zeit gut im Griff. Im Dezember 1997 wurde eine  Arthroskopie gemacht. Dabei führt der Arzt ein Gerät in die Gelenkhöhle ein, an dem eine Miniaturkamera befestigt ist. Damit kann er die Gelenkstrukturen wie Knorpel, Meniskus und Bänder beurteilen. Es wurde nichts gefunden, aber der Eingriff hat das Feuer in meinem Knie erst richtig angezündet. Ich hatte nach dem Eingriff so starke Schmerzen und Probleme, dass mein Arzt ein Jahr später eine neue Arthroskopie vorschlug, bei der dann auch gleichzeitig ein Stück des Knorpelfells entfernt wurde. Eine große Entlastung brachte die Operation allerdings nicht. Ich habe immer noch große Probleme mit dem rechten Knie. Zwei Jahre später bekam ich dieselben Symptome im linken Knie. Eine weitere OP kam für mich nicht infrage. Ich lernte PD Dr. Jörg Lohmann aus der Fachklinik Bad Bentheim kennen. 2005 punktierte er das Knie, damit es zur Ruhe kommen konnte und verschrieb Methotrexat (MTX). Das half gut, aber nach zwei Jahren bekam ich als Nebenwirkung Durchfall. Ich setzte das Medikament aus eigenen Stücken wieder ab.  Inzwischen hatte ich durch meine Mitgliedschaft im DPB eine Menge über die Psoriasis und die Psoriasis-Arthritis gelernt. Auch durch meine Arbeit als Physiotherapeut war ich über viele Zusammenhänge im menschlichen Körper und über unterschiedliche Heilverfahren gut informiert. Bei einer Fortbildung für Physiotherapeuten an der Medizinischen Hochschule Hannover im Bereich Komplementäre physiotherapeutische Medizin hatte ich zudem einen großen Einblick in die Molekularbiologie bekommen. In diesem Fachgebiet geht es beispielsweise um das Verständnis von der Verarbeitung und Weitergabe von Informationen in Lebewesen und den molekularen Erklärungen für biologische Vorgänge. Ich hatte beispielsweise verstanden, wie wichtig das Mikrobiom im Darm für das Auslösen und Befeuern von Entzündungsvorgängen ist und welche Rolle der Stress dabei spielt. Auch Bewegung ist wichtig, um genügend Sauerstoff für die Stoffwechselprozesse in den Körper zu bekommen. Ich wusste, dass ich für mich sehr viel selber machen konnte, um entzündliche Prozesse in meinem Körper günstig zu beeinflussen. Die Ernährung ist dabei eine ganz wichtige Säule. Zwar braucht es lange Jahre, bis sich der Körper darauf eingestellt hat, aber mir war klar, dass es für mich der richtige Weg ist. Man muss seine Gesundheit aktiv selbst in die Hand nehmen und kann nicht erwarten, dass Medikamente es schon richten. Diese passive Einstellung ist leider sehr verbreitet.
Das habe ich aus den Telefonaten als DPB-Kontaktperson vielfach erfahren. Wer Psoriasis hat und beispielsweise trotzdem viel raucht und Alkohol trinkt, der macht etwas falsch. Zusätzlich zu einem gesunden  Lebenswandel gehören bei mir inzwischen einige Nahrungsergänzungsmittel zum täglichen Programm. Es ist eine Kombination, die ich mir persönlich zusammengestellt habe. Sie besteht aus einer bestimmten
Mischung aus Mineralstoffen, dazu Vitamin D, Kurkuma, Artischocke, Mariendiestel und Cannabidiol (CBD). Mineralstoffe erfüllen im Körper die unterschiedlichsten Funktionen. Sie dienen als Baustoff für die Knochen, beeinflussen die Muskel- und Nervenfunktion und regeln den Wasserhaushalt des Körpers. Außerdem sind sie Bestandteil von Hormonen sowie Enzymen oder anderen biologisch wirksamen Verbindungen. Vitamin D nehme ich wegen seines regulierenden Einflusses auf das Immunsystem. Das Kurkuma hat eine lange Tradition in der indischen Heilkunde. Der darin enthaltene Wirkstoff Kurkumin hemmt die Zellteilung in der Oberhaut und wirkt indirekt auf das Immunsystem. Außerdem bindet er Säuren im Körper. Eine richtige Säure-Basen-Balance ist wichtig, damit Stoffwechselprozesse ungestört ablaufen können. Die westliche Ernährung und Lebensweise führen häufig zu einer Übersäuerung des Körpers. Die Mariendistel wirkt antioxidativ. Das heißt, sie neutralisiert freie Radikale. Aber sie wirkt nicht nur selbst antioxidativ, sondern regt auch die körpereigene Antioxidantienproduktion an. Zusätzlich aktiviert sie die körpereigene Entgiftungsfähigkeit der Leber und aktiviert Stoffwechselvorgänge. In einem gestörten Stoffwechsel werden nicht genügend Schadstoffe ausgeleitet. Die Leber spielt eine entscheidende Rolle für den Stoffwechsel und die Entgiftung. Ist der Stoffwechsel insgesamt gestört oder die Funktion der Leber, bedeutet das mehr Stress für andere Entgiftungsorgane – darunter auch die Haut. (Siehe dazu auch den Beitrag über die Marieendiestel ab PSO Magazin 6/2020, Seite 24 – Anm. d. R.). Auch die Artischocke nehme ich zur Unterstützung des Stoffwechsels ein. Die Cannabidiole (CBD) haben eine entzündungshemmende und Juckreiz stillende Wirkung und spielen bei der Hemmung der Produktion von Zellen in der obersten Hautschicht (Keratinozyten) eine Rolle. Sie stammen aus der Cannabispflanze, sind aber natürlich nicht psychoaktiv. Wichtig ist, dass man nicht wahllos irgendwelche Nahrungsergänzungsmittel schluckt, von denen man mal irgendwann zufällig etwas gelesen hat. Ich habe mich sehr intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt und komme gut zurecht. Mein linkes Knie ist von allein wieder abgeheilt und Hauterscheinungen habe ich so gut wie keine mehr. Nur auf der Kopfhaut hält sich die Psoriasis noch ein bisschen hartnäckig.

Entnommen aus PSO Magazin 6/2020